Ein bequemer Kompromiss aus Motorrad- und Radfahren? Längst hat sich dieser Irrglaube um das E-Bike verflüchtigt, vielmehr hält der steile Trend der modernen Bikes unentwegt an.

Doch worin liegt der Reiz eines „Electric bicycle“? Die deutsche Straßenverkehrsordnung etwa sieht E-Bikes als „einsitzige zweirädrige Kleinkrafträder mit elektrischem Antrieb, …“ (§ 39 Abs. 7 StVO) – und stellt sie herkömmlichen Fahrrädern komplett gleich.

Kraft, Antrieb, allesamt Begrifflichkeiten, die über die bloße Definition hinaus typisierend sind, ja sogar sehr trefflich das moderne gesellschaftliche Verlangen abbilden: Eingebettet in eine Umwelt, die der Mensch überstrapaziert und verdreckt, muss es uns Bedürfnis sein, Schadstoffemissionen abzubauen. Dennoch erlaubt es die heutige Schnelllebigkeit nicht, auf Mobilität zu verzichten, weder im Beruf noch in der Freizeit. Man will gar nicht darauf verzichten – man muss es auch nicht.

E-Bikes, auch „Pedelec“ (Pedal Electric Cycle) genannt, bieten allerlei, insbesondere produzieren sie weit weniger Schmutz, man hört sie kaum und platzsparend sind sie auch. Mittlerweile hat sich auch ein gewisser Coolness-Faktor ausgeprägt – „casual mobility“ trifft es deshalb wohl ziemlich genau. Selbstverständlich sind E-Bikes eine angenehmere Alternative zum intensiveren Mountainbike – sie auf diese Option, die zudem keine verwerfliche ist, zu reduzieren, ist aber zu leicht. Aus allein diesem Grund wäre den E-Bikes im Unterschied zu den E-Cars sicher nicht ein derart rasanter Aufstieg gelungen. Zum Komfortfaktor reiht sich nämlich ein Entwicklungstrend, der sich auch und vor allem im Freizeitsektor stark bemerkbar macht, gerade wie wir es auch hier in der Region Wilder Kaiser erleben: Die Menschen wollen wieder deutlich mehr mit der Natur in Berührung kommen – und tun es auch. Warum nicht aufs E-Bike schwingen und rauf auf den Hartkaiser, die Hohe Salve oder die Gruttenhütte radeln?

Keine Erfindung erfüllt einen bloßen Selbstzweck, so auch die E-Bikes nicht. Letztlich helfen uns diese unscheinbaren Geräte im wahrsten Sinne des Wortes auf die Sprünge. Es lassen sich gerade bei hochsommerlichen Temperaturen ohne volle (und ungesunde) Verausgabung richtige Radtouren unternehmen. Auch die Freude an der Bewegung wird gesteigert, E-Bikes beflügeln, lassen die Herzen höher schlagen – und dies nicht etwa aufgrund der abverlangten Auspowerung. Man merkt nicht, dass man auf einem E-Bike sitzt, der Elektromotor ist kaum hörbar. Und ist man in Ellmau über Wochenbrunn den steilen, steinigen Weg zur Gruttenhütte ins Kaisergebirge raufgeradelt, kann man sich nicht minder lobenswert auf die Schulter klopfen. Denn auch ein E-Bike hat Pedale, in die getreten werden muss, den „elektrischen Antrieb“ verschafft man sich als Radfahrer/in selbst – nur eben leichtfüßiger, ergonomischer und frischer.

Sie erlauben es, den Fokus auf den Naturgenuss zu richten, vermitteln Spaß am radeln. E-Bikes sind also keinesfalls Alternativen für Sportunfreudige, vielmehr eröffnen sie ganz neue Wege, Sport zu treiben. BQ: TVB Wilder Kaiser © Daniel Reiter / Peter von Felbert